Notfallkonsultation psychisch instabiler Patient*innen

Inhaltsverzeichnis

Autor*innen: Dr. med. Xenia Mandanis, Dr. med. Alex Donas (INS), lic. phil. Rolf Stallkamp (K+L), Urs Müller (AKIS)

Version 09/2021
 

Notfallkonsultation psychisch instabiler Patient*innen auf der interdisziplinären Notfallstation (INS) inkl. Verlegung auf die Akut- und Intensivstation für Kinder und Jugendliche der Luzerner Psychiatrie (AKIS)

 

Psychisch instabile*r Patient*in:  Es besteht eine akute oder subakute Selbst- und/oder Fremdgefährdung

Kinder und Jugendliche in psychosozialen Krisensituationen ohne somatischem Abklärungsbedarf werden hingegen zu Bürozeiten auf dem KJPD-Ambulatorium (kjpd.sekretariat@lups.ch oder 058 856 45 00) gesehen und beurteilt

Optimaler Ablauf

  • Anmeldung erfolgt über AKIS, Kinderärzt*in, Selbstvorstellung
  • Auf INS:
    • Pflege nimmt Patient*in ins Zimmer. Wenn akute Selbst- oder Fremdgefährdung bereits bekannt, verzichtet Pflege gänzlich auf Anamnese (entfernt gefährliche, spitze Gegenstände aus Zimmer inkl. Verbandswagen).
    • Kurze Anamnese durch AÄ (nicht geeignet für UA), rasches Involvieren des kinder- und jungendpsychologischen (-psychiatrischen) Pikettdienstes (tagsüber K&L Dienst gemäss Telefonliste, nachts mit KJPD-Pikett über Telefonzentrale (oder Liste im Stationsbüro) verbinden lassen), der/die vor Ort auf der INS ein Konsil macht.

Wichtig: Beurteilung der Selbst- oder Fremdgefährdung geschieht durch Mitarbeiter*in K&L-Dienst bzw. KJPD-Pikett, nicht durch ärztliches Team INS

Notfallmedikation bei agitierten, psychotischen Patient*innen

(ab 12 Jahren) auf INS

  • Truxal (Chlorprothixenhydrochlorid)

Indikationen: Unruhe, Agitation, Angst, psychotische Zustände

Wirkmechanismus: Blockierung der Dopaminrezeptoren, evtl. auch Serotoninrezeptoren

Dosierung: 15 mg p. o. maximal 3x in Abständen von 4 h

Kontraindikationen: Bewusstseinstrübung div. Ursachen wie z.B. Intoxikationen mit Alkohol/Psychopharmaka, Hypokaliämie, Hypomagnesiämie, Long-QT, Begleitmedikation mit möglicher QT-⇒Verlängerung (z.B. Antiarrhythmika Klasse Ia und III, Neuroleptika, gewisse Makrolide/ Antihistaminika/ Chinolone)

Unerwünschte Wirkungen (häufig): Gewichtszunahme, Schläfrigkeit, Schlaflosigkeit, Erregung, Schwindel, Tachykardie, Palpitation, Akkomodationsstörungen, Übelkeit, Dyspepsie, Myalgie, Hyperhydrose, Asthenie, Müdigkeit

⇒ besonders zu Beginn der Behandlung, abhängig von Dosierung

  • Temesta (Lorazepam)

Indikationen: Angstzustände, Spannungszustände, Erregungszustände

Wirkmechanismus: Bindung an GABAA-Rezeptor-> Verstärkung des dämpfenden Effektes von GABA im ZNS. Verglichen mit anderen Benzodiazepinen ausgeprägte anxiolytische (und antikonvulsive) Wirkung bei gleichzeitig schwacher sedierender und muskelrelaxierender Wirkung

Dosierung: 1 mg Expidet 2x mit Abstand von 4 h

Kontraindikationen: Schwere respiratorische Insuffizienz, schwere Leber-/Niereninsuffizienz, Intoxikation mit Alkohol oder Psychopharmaka

Unerwünschte Wirkungen (häufig): Ataxie, Verwirrtheit, Benommenheit, Asthenie, Muskelschwäche

Antidot: Anexate (Flumazenil) verabreichen

 

Bei drohender Eskalation auf der INS mit Bedrohung/Gefährdung des Personals oder anderen Pat. /Eltern ⇒ Spitalinternen Securitas beiziehen (intern 8000), dann Polizei beiziehen (0117)

Bei bestätigter akuter Selbst- oder Fremdgefährdung ohne somatischen Hospitalisationsgrund: Einweisung in AKIS durch K&L-Dienst/ KJPD-Pikett (für Pat. aus Kanton Luzern, Nidwalden, Obwalden). Jugendliche aus Schwyz, Zug und Uri werden i.d.R. nach Littenheid verlegt.

  • Transport in AKIS je nach Situation
  • Wenn Eltern es sich zutrauen, ggf. mit Kind zu Fuss, sonst per Ambulanz in AKIS
  • Im Falle einer fürsorgerischen Unterbringung (FU) Transport via Ambulanz zusammen mit der Polizei (Ambulanz wie auch Polizei wird durch Mitarbeitende der INS aufgeboten)
  • FU-Formular wird von K&L-Dienst/ KJPD-Pikett ausgefüllt und INS-dienstärztlich unterschrieben. Formular wird aus KJPD-Ambulatorium mitgebracht oder ist zu hier finden unter 

⇒ WICHTIG: Kopie der FU an Patient*in mitgeben

 

Bei akuter Selbstgefährdung bzw.  Suizidversuch mit z.B. Intoxikation oder schweren Verletzungen:

  • Intensivmedizinische Überwachung, Überwachung auf allgemeinpädiatrischer Abteilung mit 1:1 Betreuung nur in Ausnahmefällen möglich (Sitzwache)

Bei fehlender akuter Selbst- oder Fremdgefährdung entweder:

  • ambulantes Procedere mit Anbindung an zuständigen KJP-Dienst der betreffenden Region durch K&L-Dienst/ KJPD Pikett
  • stationäre Aufnahme im Kinderspital zur Deeskalation

Referenzen

https://www.swissmedicinfo.ch