Allergische Proctocolitis

5/18/20 - Komplett überarbeiteter Artikel

Inhaltsverzeichnis

Autor: Dr. med. Johannes Spalinger und Dr. Franziska Righini, (päd Gastroenterologie)
Version: 05/20 (Version 04/07 komplett überarbeitet)

Synonym

Food-Protein induzierte Proktocolitis des Säuglings, Mutter- oder Formulamilch-induzierte Proktocolitis, Nicht-IgE-vermittelte Kuhmilchproteinintoleranz.

Definition

Gutartige Blutbeimengung im Stuhl, bei gesund erscheinenden Säuglingen.
Typischerweise in den ersten Lebensmonaten manifest, sowohl beim gestillten wie auch Formula-ernährten Kind.

Intestinale nicht IgE-vermittelte „immunologische“ Reaktion auf Nahrungsmittelproteine wie Kuhmilch, Ei, Soja, Weizen, Fisch oder multiple Proteine, welche die stillende Mutter einnimmt (am häufigsten Kuhmilchprotein) bzw. auf Kuhmilchproteine in der Formulamilch.

Klinik

Blut- und Schleimauflagerungen auf den Stuhl, oft verminderte Stuhlkonsistenz. Die Säuglinge sind in der Regel in einem guten AZ, gutes Gedeihen, kein Fieber, selten Anämie.
Typisches Alter bei Beginn 1 – > 8 Wochen, jedoch auch beim älteren Säugling möglich.

Diagnostik

klinische Diagnose, beachte DD "blutige Stühle"

Zusatzuntersuchungen
Merke: FPIAP ist eine klinische Diagnose!

  • Hb, Blutbild inkl. Differenzierung (Eosinophilie), Quick
  • Stuhlausstrich (Eosinophile) im frischen Stuhl (wird nicht von allen Labors gemacht).
  • Keine Allergieabklärung notwendig:
    • Spez. IgE und Prick-Test sind in der Regel negativ, daher nur bei zusätzlichen Symptomen einer Allergie vom Sofort-Typ (IgE-vermittelt) oder zusätzliche Risikofaktoren
    • Risikofaktoren für Entwicklung einer Kuhmilchallergie (IgE-vermittelt:
      • Atopie-Anamnese (1° Verwandte mit Allergien, Neurodermitis)
      • Mixed feeding oder ausschliessliches Formulafeeding

Spontanverlauf

  • 20% der Gestillten spontanes Verschwinden ohne Diätrestriktion der Mutter
  • Toleranz-Entwicklung innerhalb 1 (- 3) Jahren - ausgezeichnete Langzeitprognose
  • Mit der Beikost können in der Regel langsam Kuhmilchproteine in verarbeiteter Form eingeführt werden
  • Diese Erkrankung prädisponiert nicht zu einer längerfristigen Kuhmilchprotein-Allergie

Wiedereinführung von Kuhmilchprodukten nach Risikoabschätzung bei milden nicht IgE-vermittelten Kuhmilchproteinallergien /FPIAP

  • Nach einer definierten Phase (Plan A oder B) einer strikten kuhmilchfreien Ernährung und deutlicher Verbesserung der Symptome, erfolgt eine schrittweise Wiedereinführung von Kuhmilchproteinen
  • Wiedereinführung unter Anleitung Ernährungsberatung wird empfohlen
Diagnosebestätigung/diagnostischer Eliminationsversuch: 2 - 4 Wochen
Bestätigte Diagnose – Wiedereinführung: ab 6. – 9. Lebensmonat (bei sehr milden Verlaufen früher)


Voraussetzungen

  1. Kind in gutem AZ (kein Infekt, keine wesentliche GI Beschwerden, kein Neurodermitis-Schub)
  2. Keine aktuelle Medikation, welche Einfluss hat auf GI-Trakt (Antibiotika)
  3. Keine Refluxmedikation (i.R.)
  4. Gute Dokumentation: Erbrechen, Hautausschlag, Änderungen Darmtätigkeit, Blut im Stuhl

Praktisches Vorgehen bei der Einführung von Milchprodukten

Schema Wechsel von Spezialformula (eHF, AAF) auf Säuglingsschoppen auf Basis Kuhmilch

Literatur

  • Meyer R, Chebar Lozinsky A, Fleischer DM, et al. Diagnosis and management of Non‐IgE-gastrointestinal allergies in breastfed infants—An EAACI Position Paper. Allergy. 2020;75:14–32. https ://doi.org/10.1111/all.1394
  • Venter C, Brown T, Shah N, Walsh J, Fox AT. Diagnosis and management of non-IgE-mediated cow’s milk allergy in infancy—a UK primary care practical guide. Clin Transl Allergy. 2013;3(1):23.
  • Nowak-Węgrzyn A, Katz Y, Mehr SS, Koletzko S. Non-IgE-mediated gastrointestinal food allergy. J Allergy Clin Immunol 2015; 135:1114.