Vorgehen bei Verdacht auf kongenitale Hypothyreose

12.03.26 - überarbeitete Version

Inhaltsverzeichnis

Autorinnen: I. Ruiz und J. Mührer
Version: 03/2025 (ersetzt Version 2014 P. Tonella)

 

Einführung

Die kongenitale Hypothyreose hat eine geschätzte Prävalenz von 1:2000 bis 1:3000 Lebendgeburten und gehört zu den häufigsten Ursachen für eine mentale Retardierung. Der Prävention kommt eine grosse Bedeutung zu. 

Die TSH-Bestimmung auf Filterpapier wird seit über 40 Jahren im Rahmen des Guthrie-Tests durchgeführt, seit 2005 zentralisiert im Neugeborenen-Screening-Labor in Zürich. Bei zirka 65% der Fälle liegt eine Dysgenesie und bei 35% eine Dyshormonogenese vor.

Meldeweg

Information durch das Neugeborenen-Screening-Labor erfolgt direkt an die Dienstärztin Endokrinologie oder Dienst-Arzt Notfall (041 205 11 11, Kindernotfall verlangen). Die Familie des betroffenen Kindes muss noch am gleichen Tag kontaktiert und auf den KJNO einbestellt werden

Anamnese

Folgende anamnestischen Daten sind zu erheben:

  • Frühgeburtlichkeit, Geburtsgewicht (auf Perzentilenkurve)?
  • Geburtsmodus, Iodkontakt?
  • Mehrlingsschwangerschaft?
  • Trink- und Schlafverhalten?
  • Schläfrigkeit?
  • Fehlendes erwachen bei den Mahlzeiten?
  • Trinkschwäche oder langsames Trinken?

Klinische Untersuchung

Folgende Befunde können auf eine Hypothyreose hinweisen: kühle Extremitäten, Ikterus, Lethargie, muskuläre Hypotonie, Makroglossie, Nabelhernie, trockene Haut, Persistenz der hinteren Fontanelle, grosse vordere Fontanelle mit breit offener Sagittalnaht.

Bestätigungsdiagnostik

Blutentnahme beim Kind (venös): fT3, fT4, TSH, Thyreoglobulin, Anti-TPO-AK, Anti-Thyreoglobulin-AK; TSH-Rezeptor Antikörper, falls auf dem Notfall möglich: Sonographie der Schilddrüse

 

Blutentnahme bei der Mutter: TSH, fT3, fT4, Anti-TPO-AK, Anti-Thyreoglobulin-AK, TSH-Rezeptor Antikörper
 

Behandlung

(immer in Rücksprache mit Endokrinologie)

  • TSH (venös) > 20 mU/l (auch bei normalem fT4)
  • bei niedrigem fT4 (unbeachtet des TSH-Spiegels)

Keine Behandlung

  • Normale Schilddrüsenfunktion ► keine weiteren Kontrollen nötig
  • TSH <20 und fT4 normal ► Kontrolle in 1 Woche in der endokrinologischen Sprechstunde

 

Therapie

Eine stationäre Aufnahme ist nicht erforderlich, sofern der klinische Zustand des Neugeborenen keinen Anlass dazu gibt.

  • L-Thyroxin (Eltroxin®, Euthyrox®) 1x 15 mcg/kg/Tag p.o.

Ausnahme: leicht erhöhtes TSH und normales fT4: 1x 10 mcg/kg/Tag p.o.

Verabreichungsweg: Tablette Mörsern und mit wenig Wasser mischen

Nachkontrollen

Zuweisung in die endokrinologische Sprechstunde durch den Notfall. Aufgebot erfolgt ca. 1 Woche nach Therapiestart.

Die IV-Anmeldung (IV GG 463) erfolgt anlässlich der ersten Kontrolle auf der Tagesklinik.

Quellen:

van Trotsenburg P et al. Congenital Hypothyroidism: A 2020-2021 Consensus Guidelines Update-An ENDO-European Reference Network Initiative Endorsed by the European Society for Pediatric Endocrinology and the European Society for Endocrinology. Thyroid. 2021 Mar;31(3):387-419. doi: 10.1089/thy.2020.0333. PMID: 33272083; PMCID: PMC8001676.