Medikamentöse Analgosedation bei Neugeborenen

Inhaltsverzeichnis

Autor: Dr. med. M. Stocker
Version: 01/07

Hintergrund

Bereits Extremfrühgeborene können Stress und Schmerzen erfahren. Die Stress- und Schmerzreaktionen von Neugeborenen und besonders von Frühgeborenen können sich sowohl kurzfristig (zB Hypoxie, Azidose, Hyperglykämie) als auch langfrisitg (psychomotorisches Outcome) negativ auswirken, sodass eine gute Analgosedation unabdingbar ist. Besonders bei extremfrühgeborenen Kindern ist die Hirnblutungsgefahr in den ersten Lebenstagen durch stress- und schmerzbedingte Blutdruckspitzen (cerebrale Perfusions- / Reperfusionsschädigungen) erhöht. Bei beatmeten Neugeborenen wurde am Kinderspital Luzern aus historischen Gründen zur Analgosedation häufig Pethidin verwendet. Nicht selten ist die Analgosedation mit Pethidin jedoch ungenügend und in der Vergangenheit wurde oft auf einen Fentanyl-Dauertropf gewechselt. Diese Kinder litten in der Folge häufig unter einem Entzugssyndrom, welches wiederum einer medikamentösen Therapie bedurfte. Aufgrund dieser unbefriedigenden Situation wird die medikamentöse Analgosedation auf Morphin umgestellt. Unerwartete Zwischenfälle und Beobachtungen sollen mittels den bestehenden CIRS-Blättern erfasst werden.

Parenterale Anwendungen / Dosierungen

Zur Analgosedation von Neugeborenen soll vorzugsweise Morphin verwendet werden: 

Intubation von Neugeborenen Morphin 100-200 mcg/kg i.v.
Neugeborene intubiert Morphin 50-100 mcg/kg i.v.
Neugeborene spontan atmend Morphin 20-50 mcg/kg i.v.

Postoperativ oder in speziellen Situationen kann ein Dauertropf verwendet werden. Steht die Sedation im Vordergrund, wird Morphin bevorzugt. Bei postoperativen Kindern mit einem hohen Analgesiebedarf wird Fentanyl verwendet.

Dauertropf Neugeborene intubiert Morphin 10-20 mcg/kg/h
Dauertropf Neugeborene postoperativ Fentanyl 1-5 mcg/kg/h

Wird nur eine Sedation ohne Analgesie angestrebt, können Midazolam (Dormicum®) oder Phenobarbital eingesetzt werden. Bei Frühgeborenen muss die lange Halbwertszeit von Midazolam (bis zu 24 Stunden) und das mögliche Auftreten von Myoklonien berücksichtigt werden.

Kurzzeitiger Sedationsbedarf Midazolam 0.05-0.10 mg/kg i.v.
Langzeitiger Sedationsbedarf (fix 12 stdl.) Phenobarbital 1.5-2.5 mg/kg i.v.

Enterale Anwendungen / Dosierungen

Zur enteralen Analgosedation stehen bei Neugeborenen folgende Medikamente zur Verfügung.

Analgesie Paracetamol 15-20 mg/kg/Dosis p.o., max. 8-stdl
Kurzzeitiger Sedationsbedarf Midazolam 0.10-0.25 mg/kg/Dosis intranasal, 2-4-stdl
Langzeitiger Sedationsbedarf Phenobarbtal 1.5-2.5 mg/kg/Dosis p.o., 12-stdl
Tinctura opii 0.04-0.20 mg/kg/Dosis p.o., 4-6-stdl
Chloralhydrat 20-30 mg/kg/Dosis p.o./rektal, 4-6 stdl

ROP-Untersuchung

Die ROP-Untersuchung der Frühgeborenen ist eine unangenehme, aber nicht stark schmerzhafte Untersuchung. Als Ersatz für das bisher gebrauchte Pethidin soll Tinctura opii verabreicht werden. Unerwartete Zwischenfälle und spezielle Beobachtungen sollen wie bis anhin mit den CIRS-Blättern erfasst werden. Bei Kinder, die häufig Bradykardien und Apnoen zeigen, kann an der Stelle von Tinctura opii Paracetamol verabreicht werden.

ROP-Untersuchung
kein relevantes Apnoe-Bradykardie-Syndrom Tinctura opii 0.04 mg/kg p.o. einmalig
mit relevantem Apnoe-Bradykardie-Syndrom Paracetamol 20 mg/kg p.o. einmalig
beide kombiniert mit Glucose 30%

 

 

 

Quellen:

  1. Dawodu T, Caryn D, Patnode R. Common NICU medication guidelines. In: Manual of neonatal care 2004, 5th Ed, 717-747
  2. Jöhr M. Opiate und Opiatantagonisten. In: Kinderanästhesie 2001, 5. Auflage, 91-100
  3. Young T, Mangum B. CNS drugs. In: Neofax 2002, 15th Ed, 122-141
  4. VanMarter L, CyrPryor C. Management of pain and stress in the NICU. In: Manual of neonatal care 2004, 5th Ed, 703-715
  5. Schmerzkonzept Kinderspital Luzern 2006